Auf dem StiLLLkongreß 2016

Ich hatte es im letzten Artikel schon angedeutet: Wir waren in der Rhön. Genauer zum Stillkongreß der La Leche Liga 2016 mit großer Jubiläumsfeier. Letztes Jahr war das Jahrestreffen in Pracht im Westerwald und dieses Jahr in Oberbernhands in der Rhön. Am Donnerstag holte ich den Wagen aus der Werkstatt und wir luden ihn voll. Na ja, halbwegs. Rollstuhl rein, Taschen rein und noch Platz lassen für den Rollator.

An dem Freitag kamen wir sehr zeitig los und eigentlich besser durch als ich befürchtet hatte. Nur das Umfahren der Kasseler Berge hatte ich mir doch etwas anders vorgestellt.  Die Kasseler Berge wollte ich aus zwei Gründen umfahren. Erstens wollte ich dem Auto die steilen Bergaufstücke an der A7 ersparen, es ist immerhin ein ausgewachsenes Mittelklasseauto mit recht kleinem Motor und ich auch schon mein früherer Kompaktwagen – etwa 400 kg leichter und 20 PS stärker – hatte da Schwierigkeiten hoch. Zweitens bin ich vor Jahren sehr oft in Bad Hersfeld gewesen und über die B27 am Göttingen spart man sich nicht nur die steilen Bergaufstücke, ich war über die B27 auch noch eine Ecke schneller und hab viel weniger Sprit verfahren als über die A7.
Auf der B27 war dieses Mal nur relativ viel los und ein Teilabschnitt war nur noch einspurig mit Ampel wegen einer Baustelle. Also standen wir dort im Stau. Nun ja, die Baustelle würde am Sonntag auch noch da sein, also Rückfahrt dann doch über die A7. Bis auf die steigen Straßen in der Röhn war die Fahrt aber sonst unspektakulär. Die Kleine hat das auch besser  mitgemacht als letztes Jahr. Ja, Mama mußte zeitweise mit nach hinten, aber im Großen und Ganzen war es OK. Natürlich schlief die Kleine unterwegs auch ein – eine Viertelstunde bevor wir ankamen und nachdem sie stundenlang gegen die Müdigkeit angekämpft hatte, klar.

Kurz vor 16 Uhr kamen wir an. Kurze aber herzliche Begrüßung, Schlüsselausgabe mit etwas Durcheinander und wir durften ein Zimmer beziehen und unsere Sachen aus dem Auto dorthin bringen.

An dieser Stelle möchte ich nicht mehr chronologisch, sondern thematisch weitermachen.

Die Leute waren wie schon letztes Jahr top und versprühten eine wirkliche Wohlfühlatmosphere.
Dieses jahr waren es ein paar Leute mehr als letztes Jahr. Ich schätze um die 250 Leute waren da, die meisten natürlich Frauen. Viele hatten Kinder mit, ich schätze um die 50 Kinder im Alter von 6 jahren abwärts bis zum (Fast-)Neugeborenen. Unsere 2 3/4-jährige Tochter paßte da gut rein. Einige Familien hatten die Väter dabei, wir Männer waren mit deutlich unter 20 schon klar in der Unterzahl. Besonders aufgefallen ist mir nur Weniges, darauf gehe ich etwas spezieller ein.
Schon am ersten Abend stellte ich fest, daß meine Tochter nicht das einzge zweijährige Kind ist, das auf Heavy-Metal-Musik abfährt, sogar die Band Sabaton hatte da noch einen zweijährigen Fan.
Ich war nicht einziger Mensch mit Gehbehinderung. Eine Frau hatte ihren Rollstuhl dabei und konnte noch sagen wir so etwas Ähnliches wie gehen. Das Gangbild sah meinem sehr ähnlich, wenn ich mit der MS schlechtere Tage habe. Ich habe es leider verpaßt, da nachzufragen, aber es sah doch sehr neurologisch aus.
Ich bin auch mit dem barfußlaufen nicht allein. Einige Frauen, einige Kinder und auch ein anderer Vater waren barfuß unterwegs. Ich selbst laufe übrigens nicht aus Überzeugung barfuß, sondern weil es aktuell schmerzhaft an den Zehen ist, wenn ich die in Socken quetsche und Schuhe sind ohne Socken sowieso unbequem. Ich hab da schon etwas Angst vor dem Winter.
Auffällig war auch und nicht nur für mich, daß ein Elternpaar einen Kinderwagen dabeihatte. Das war dort wirklich ungewöhnlich. Letztes Jahr hatten keine Eltern so etwas dabei.
Daß die meisten Eltern sehr wertschätzend mit ihren Kindern umgegangen sind, ist mir nicht mehr aufgefallen, seit dem letzten Jahr fällt es mir „nur“ verstärkt auf, wenn Eltern ihre Kinder eben nicht wertschätzed behandeln.

Die Veranstaltungen waren dieses Mal sehr auf ein Jubiläum fokussiert. 40 Jahre La Leche Liga Deutschland, 60 Jahre La Leche Liga überhaupt, das macht zusammen 100 Jahre. Etwas schräg ist es vielleicht, das so zu rechnen, aber es paßt. Ich kann nicht sagen, daß ich es anders gemacht hätte.

Am Freitagabend gab es eine Begrüßung, das kenne ich noch vom letzten Jahr. Dieses Mal war es etwas feierlicher aber keineswegs unangenehmer.
Der Samstag stand viel im Zeichen der Jubiläen. Meine Frau hatte eine Veranstaltung nur für die Mütter, aber sonst bestimmten die Jubiläen den Tag. Es gab schöne Ansprachen dazu, uns wurde erzählt, wie die La Leche Liga überhaupt angefangen hatte und über amerikanische Soldaten und deren Frauen vor 40 Jahren nach Deutschland kam.
Zu der Gründung vor 60 Jahren gabe es ein schönes Theaterstück, wo offensichtlich auch viel Liebe zur Sache drinsteckte.
Dann gab es noch eine Menschenkette aus Stillberaterinnen sortiert nach Beitrittsjahr und es gab eine riesige Torte, von der jeder ein Stück bekam und es blieb trotzdem noch etwas übrig.
Auch wenn ich als Papa mit dem Stillen nicht viel am Hut habe (so dachte ich zumindest mal 😉 ), fand ich das alles doch hochinteressant.

Am Abend saß ich mit meiner Familie nicht mehr im Publikum, sondern eine Treppe höher. Es gab wieder interessante Geschichten zur Entstehung, dann aber mit professioneller Beschallungsanlage, das war deutlich besser zu hören. Sowieso war die Akusik an dem Platz besser. Eine Harfinistin trat gemeinsam mit einer Flötistin auf und es klang auf dem Platz oben deutlich besser als am Nachmittag, wo die beiden auch schon auftraten und ich noch dachte, die Harfe sei verstimmt. Nein, es waren „nur“ die Raummoden. An dem Abend spielte die Dame noch ein Stück solo mit der Harfe und das war wunderschön, ergreifend, ich krieg davon jetzt beim Schreiben noch Pipi in den Augen.
Vor den Musikerinnen trat noch eine Bauchtänzerin auf. Sie machte ihre Sache gut aber trotz des knallpinken Outfits schweiften meine Blicke dabei viel durchs Publikum und zu den anderen Leuten. Bauchtanz ist eben nicht ganz meins.
Zum Ausklang des Abends sollte es ab 21:00 noch eine Art Disco mit Open End geben. Ich wollte da hin, zumindest kurz und wir waren wieder alle da. Und es war so klar, daß meine Kurze die Mama auf die Tanzfläche gezogen hatte. Die Kleine kann sich zur Musik immer besser bewegen. Es hat aber dann doch nicht so sehr lang gedauert, bis wir uns ins Bett begaben. Es war doch etwas anstrengend alles. Aufgefallen ist mir nochmal, daß der Raum akustisch sagen wir suboptimal ist, der Beschaller hat seine Anlage teils auch derbe übersteuert. Ich hatte schon seit Jahren kein Clipping mehr gehört.

Am Sonntag gab es die Arbeitskreise, im Grunde eine geleitete Diskussionsrunde und Erfahrungsaustausch. Thema war die Rolle des Vaters beim Stillen. Wir schweiften allerdings im Laufe der Runde doch etwas vom Thema ab. Es war sehr interessant, auch was andere Väter zu der Thematik so zu berichten hatten. Ich glaube, ich habe etwas zu oft und zu heftig ds Wort an mich gerissen. Eine schlechte Angewohnhet von mir. Mir fällt das zwar auf, aber immer erst hinterher.
Ganz am Ende wurden noch viele Luftballons in den Himmel entlassen, war ein ziemlicher Event, aber da ich schlecht zu Fuß bin, kam ich nicht mit auf das freie Feld.

Wie im letzten Jahr durften bei den Veranstaltungen auch die Kinder anwesend sein, sie haben ja auch nicht allzusehr gestört.

Ich gab noch einen Ausstellungssaal mit einer Auswahl an Babyzubehör und Literatur rund ums Stillen und den bedürfnisorientierten Umgang mit kleinen Kindern. Meine Frau hat dort auch ein paar Dinge gekauft.

Nun komme ich zur Unterkunft. Wir waren in der Jugendherberge Oberbernhards in der Rhön untergebracht. Hier bietet sich der Vergleich mit dem Veranstaltungsort im letzten Jahr an. Da waren wir im Haus Hohegrete in Pracht im Westerwald. Zumindest das Essen war in der Rhön besser, die im Westerwald waren etwas zu ideenlos für gutes vegetarisches Essen. Wir selbst sind zwar keine Vegetarier, allerdings doch nicht gerade wenige Leute bei den Treffen schon. Und es gibt so viel Vegetarisches, was auch lecker ist.
Ansonsten war es in Pracht doch alles um Längen besser.
In Oberbernhards gab es keine Sitzecken, wo man sich eben zusammensetzen konnte oder gemütlich das Kind stillen, in Pracht letztes Jahr sind mir einige Grüppchen aufgefallen, die in den verschiedensten gemütlichen Sitzcken saßen und sich unterhalten haben. Hier ging das dann eben nicht.
Das Zimmer war echt ziemlich untere Kategorie. Wir hatten das eine angeblich barrierefreie Zimmer. Vielleicht stellt man sich dort unter „barrierefrei“ vor, daß es nur eine Stufe gibt, die nicht einmal ein Geländer hat und daß der Speisesaal und die Rezeption zwar nicht vom Zimmer aber immerhin vom Eingang aus ohne Stufen erreichbar ist. Schon mal das war ein klares Beispiel dafür, wie man es nicht macht. Zurück zum Zimmer selbst: Daß die Einrichtung alt war, war nicht das Problem. Die Einrichtung in Pracht war auch alt, aber sauber und gepflegt. Zwei Attribute, die auf die Einrichtung in Oberbernhards nun gar nicht zutreffen. Zuerst das Bad: Die Duschbrause sprühte in alle möglichen Richtungen, in der Dusche waen Haare von irgendwelchen Leuten, die vorher mal da waren, die Kloschüssel hatte einige Risse, das Waschbecken war sichtbar deutlich neuer, wahrscheinlich ist das alte abgefallen oder so. Daß es neuer war, hat aber nicht dabei gestört, es uns dreckig zu überlassen. Und es stank im Bad und dadurch im ganzen Zimmer penetrant nach Pisse. Angesichts der Intensität kann man nicht mehr „Urin“ sagen, das war eindeutig Pisse. Muß man jetzt lobend hervorheben, daß es nicht so stank wie auf einem Bahnhofsklo? Viel mehr Positives läßt sich über das Bad nämlich beim besten Willen nicht sagen.
Viel besser war es im Schlafraum auch nicht. Das Doppelbett, wo angeblich ein Elternpaar mit Kind zwischen sich drin schlafen konnte, war ein Etagenbett mit 80 cm Breite, das sich auch schon langsam auflöste. Wir hatten zwar die beiden Matratzen auf den Boden und uns dann darauf gelegt. Das hat die Treppe zum oberen Bett aber nicht daran gehindert, sich zu lösen. In der ersten Nacht schon hat sie geklappert, wir sind davon wach geworden und haben sie erst einmal abgebaut, bevor sie in der Nacht einem von uns aufs Gesicht fällt.
Dazu kam noch sehr unfreundliches Personal, besonders zu Kindern waren die Leute alles Andere als freundlich.
Wir hatten schon vor Ort beschlossen: Die sehen uns nicht wieder. OK, so freundlich hatten wir es nicht formuliert.

Leider verdichteten sich ab dem Sonntag Befürchtungen und inzwischen haben wir traurge Gewißheit: Genau da soll auch nächstes Jahr der Kongreß stattfinden.

Edith hat mir geflüstert, daß es der Unfähigkeit der Betreiber dort zu verdanken ist, daß für 2017 doch eine andere Lokaität ausgeguckt werden mußte. Wie es aussieht, geht es jetzt ins Ruhrgebiet und wie es aussieht, bin ich dann doch dabei.

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