Mit auf dem StiLLL-Kongreß

Moin und hallihallo und herzlich willkommen!

Es war Anfang März diesen Jahres, da eröffnete meine Frau mir, daß sie im Mai zum La-Leche-Liga-Kongreß fahren wollte und das mit mir. Sie möchte Stillberaterin werden, da sie 1. die Aufklärung rund ums Stillen für wichtig hält und 2. hier in der Gegend diesbezüglich ziemlich tote Hose ist. Tatsächlich gibt es in Leer und in Bremen Möglichkeiten, das sind die von uns aus nächsten Anlaufpunkte, wohin man aber auch jeweils eine ganze Zeit unterwegs ist. Dazwischen ist nichts. Nicht einmal in Oldenburg, wo es eine pädagogische Hochschule gibt. Da ich mitbekommen habe, was das Stillen bedeutet, was da für ein hier in der Gegend Vakuum besteht und vor allem mitbekommen habe, wie viel Inkompetenz und Kompetenzanmaßung insbeondere bei Hebammen hier kursiert, möchte ich meine Frau in aller Form unterstützen.

Und auch deswegen: „Ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für Multiple Sklerose entsteht, wenn ein Kind weniger als 7 Monate oder gar nicht gestillt wurde.“ Das Zitat stammt von dort. Der Artikel ist auch sonst sehr lesenswert und beinhaltet auch weiterführende Links.

Aber zurück. Wir waren also dieses Wochenende bei einem großen Treffen der La Leche Liga. Es fand im Westerwald, genauer in der Ortschaft „Pracht“ statt, sollte vom Abendessen am Freitag um 18:00 bis zum Mittagessen am Sonntag um 12:00 gehen, dazwischen viele Veranstaltungen, offene Gruppen und viel Freizeit, vor allem für die mitgereisten Väter. Nicht alle Kinder hatten ihre Väter mit dabei, aber doch einige.

Die Anfahrt:

Am Freitag haben wir morgens das Auto vollgepackt und ich bin dann mit der Kurzen im Kreis gefahren, so daß sie einschläft.
Gegen halb 1 sind wir dann hier los, haben in Hesel noch einmal vollgetankt und sind dann bei Leer auf die Autobahn gefahren. Navi und Routenplaner wollten uns am liebsten über die A1 schicken, aber wir wollten über die A31. Von der A1 hörten wir in letzter Zeit (zu) viel über schwere Unfälle, bei denen vor allem LKWs in Staus krachen, da haben wir die A31 bevorzugt.
Bis nach NRW kamen wir gut durch, haben an dem wenn ich das richtig mitbekommen habe einzigen Rasthof an der A31 gerastet und bei dem Burger King gegessen. Dann sind wir weiter. Der Bordcomputer zeigte teilweise Durchschnittstempo über 120 an (ich hatte an der Tanke resettet). Doch dann kam der erste Stau.  Und dann der zweite. Ich sah uns schon nicht mehr rechtzeitig ankommen, die Ankunfszeit laut Navi wurde zunehmend später. Sehr lang waren die Staus nicht, die letzten paar zig Kilometer Autobahn kamen wir wieder gut durch, die Kleine hat da geschlafen, mußte aber auch vor allem in den Staus in den Schlaf gestillt werden. Für meine Frau nicht die bequemste Position. Sie war froh, als die Kleine geschlafen hat und sie sich endlich normal hinsetzen konnte.
Das letzte Stück ging über Landstraßen und war ein Gejuckel… Gefühlt hat das länger gedauert als alles vorher zusammen. Bergstraßen mit engen und engsten Kurven, Kuppen und Senken, teilweise konnte man die Straße weniger als 20 Meter wirklich üerblicken. Für mich klar, daß ich da nicht mit Tempo 100 durchheize, auch wenn es „erlaubt“ ist. So viel wie da habe ich den 2. und 3. Gang auf Landstraßen noch nie benutzt. So zog ich auch ziemlich schnell eine Schlange hinter mir her. Aber egal. Sicherheit geht vor. Ich hatte wirklich keine Lust, gegen eine Felswand oder in einen Abgrund zu fahren. Gegen halb 6 waren wir (endlich) da.

Die Location:

Wir waren in Pracht in Hohegrete untergebracht. Das Zimmer war nicht der Bringer: Wen es nur alt gewesen wäre, hätte man gut damit leben können. Sauber war es auch, ja. Aber es hat gemüffelt, außerdem funktionierte die Lüftung im Bad nicht. Sehr schön, wenn man dort die gebrauchten Windeln lagern muß… Das ging dann nur mit Fenster die ganze Zeit auf. Wenn wir im Zimmer waren ganz auf und wenn wir nicht da waren auf Kipp, damit es falls es regnet nicht reinregnet.
Wirklich barrierefrei war es auch nicht. Außerdem ziemlich bergig. Es ist kein schönes Gefühl, wenn der Rollstuhl mit angezogener Bremse beschleunigt, ob das jeweilige Rad dabei steht oder nicht. OK, man kam über Umwege an die wichtigen Stellen mit Rolli hin. Am Freitagabend war ich so platt, da brauchte ich den und mußte mich an den steileren Stellen schieben lassen. Samstag und Sonntag zum Glück nicht, da kam ich mit dem Stock hin. Nicht überall hin, da es draußen teilweise zu steil dort ist, aber zu den Veranstaltungen, in den Speisesaal und zum Spielplatz kam ich.

Das Essen hätte ein eigenes Kapitel werden können. Zum Frühstück gab es kein Obst oder Ähnliches, ansosten das „normale“ Großküchenstandardessen, das viele z.B. aus dem Krankenhaus kennen, das Ganze halt als Buffet. Beim Abendessen gab es Obst, am Samstag auch warme Kartoffel-Käse-Taschen. Soweit OK. Die Mittagessen waren aber ein richtiger Schuß in den Ofen. Daß es vegetarisch war kein Problem. Man kann sehr lecker vegetarisch kochen. Dort wurde aber eher demonstriert, wie man genau das nicht macht. Aber ich will da nicht so ins Detail gehen. Vielleicht hat man dort keine Erfahrung mit vegetarischer Küche?
Das Personal war sehr höflich und freundlich.

Die Veranstaltungen

drehten sich klar um Nachwuchs im Allgemeinen und das Stillen desselben im Besonderen. Sehr viel kann ich dazu nicht sagen, ich selbst war bei der Begrüßung am Freitagabend, einer organisatorischen Veranstaltung m Samstagabend und der Verabschiedung am späten Sonntagvormittag anwesend. Am Samstag sollte noch eine Veranstaltung für die Väter stattfinden, die fiel allerdings leider aus.

Während eine Frau bei ihren Sachen war, war ich mit der Kleinen allein. Wirklich allein aber auch nicht. Wir verbrachten viel Zeit auf dem kleinen Spielplatz und sie vie im Sandkasten. Dort waren auch viele der anderen Väter mit ihren Kindern. Da hat sich meine Kleine viel mit den anderen Kindern in den Sandkasten gesetzt und dort gespielt. Einige Male hat sie auch versucht, stiften zu gehen. Da haben mir die anderen Väter und ganz besonders zwei von ihnen tatkräftig unterstützt, indem sie sie eingefangen oder aufgehalten haben. Ich habe da sonst ja echt Angst, weil sie mir sonst locker davonlaufen kann, außerdem sind dort einige etwas steilere Ecken. Auch dank der anderen Väter hatten wir viel Spaß. Ich konnte mich da auch gut unterhalten und war froh, Gleichgesinnte zu treffen, wenn es um die Überflüssigkeit von Kinderwägen, um das Tragen oder auch um Reboarderkindersitze geht.

Damit wären wir bei den Eltern.

Und dem Umgang mit den Kindern. Es waren viele Kinder da, ich schätze so mindestens 30 allein im Kleinkindalter, dazu noch ein paar Babies. Fasziniert hat mich, wie die Eltern mit ihren Kindern umgegangen sind. Eine Teilnehmerin hat genau das passende Wort gefunden: Tiefenentspannt. Und dieser gelassene Umgang mit den Kindern hat diesen offensichtlich auch geholfen, selbst gelassen zu sein. Es wurde kein Kind angemeckert, kein Kind schreien gelassen, kein Kind mißachtet. Wenn die Väter nicht dabei waren, sollten die Kinder selbstverständlich auch ruhig mit in die Veranstaltungen kommen. Für mich war es esonders beim Essen auffallend, daß dort eben nichts auffiel. Die Kinder wurden beim Essen in Ruhe gelassen, auch die Einjährigen. Einige Kinder liefen zwischen den Tischen herum und spielten. Es war so herrlich, so wohl habe ich mich selten bei einer größeren Gruppe Menschen gefühlt. Man konnte die Ruhe und Gelassenheit förmlich spüren.

Unsere Kleine ging am Samstag auch allein im Speisesaal spazieren. Einige der Kinder liefen ohne Kleidung herum. Eine Mutter sagte zu meiner Frau sinngemäß, daß diese Kinder ja kommen könnten, wenn ihnen kalt werden würde. Und genau das taten sie auch.

Dieses habe ich heute mit meiner Kleinen mal umgesetzt. Die Windel habe ich ihr schon gleich beim morgendlichen Fertigmachen angezogen, den Rest habe ich nur hingelegt. Sie konnte ja auch kommen und heute war es nicht wirklich kalt. Nach einer halben Stunde kam meine Kleine tatsächlich an und reichte mir ihre Kleidung. Ich greife aber schon vor. Zuerst kam ja noch

die Rückfahrt mit Kulturschock.

Wir haben uns am Sonntag noch zum Mittagessen gesetzt. Das las sich aber schon nicht so pralle und die Schlange vor dem Buffet wurde länger und länger. Da haben wir beschlossen, frühzeitig aufzubechen. Wir verabschiedeten uns von den Ich holte das Auto direkt vor den Eingang. Meine Frau brachte unsere Tochter, den Koffer und die Reisetasche hin, sie war nicht viel später da als ich. Kurz nach halb 1 hatten wir alles im Auto und brachen auf gen Heimat. Recht kurz vor der Autobahn fing die Kleine an, zu schreien und war erst einmal nicht zu beruhigen. Sie war völlig überreizt. Ich mußte anhalten, damit meine Frau die Kleine aus ihrem Kindersitz nehmen und beruhigen konnte. Es hat gefühlt eine halbe Stunde gedauert, dann hat die Kleine geschlafen. Es ging weiter.

Wir wollte möglichst weit kommen, bevor sie aufwacht. Wir haben den Rückweg über die A1 genommen, weil sonntags die Gefahr von Unfällen mit LKW nicht so groß ist. Wir waren auch schon eine ganze Zeit auf der A1 und wenn ich das richtig erinnere schon in Niedersachsen, als ich dringend mal mußte. Nächsten Parkplatz habe ich angehalten. Vom Anhalten wurde die Kleine wach und das bedeute für uns, daß die nächste Gelegenheit zum Essen angesteuert wurde. Die Kleine hatte Hunger. Die drei Bananen, die wir dabeihatten, hatte sie schon kurz nach fahrtantritt geshreddert.

Ich hatte auf Burger King oder Nordsee gehofft, außerdem hinde ich die Raststätte „Dammer Berge“ schön, aber so weit kamen wir nicht. Ein paar km nach der Pinkelpause gab es einen Autohof nahe einer Abfart und da war ein McDonalds. Na ja, ist dann eben so.

Bei dem McDonalds haben wir dann gegessen. Und auch bei McDonalds gab es den schon angesprochenen Kulturschock. Wir hatten einen Tisch nah am Fenster geommen. In der Reihe saßen noch zwei andere Elternpaare mit ihrem Nachwuchs. Die einen Eltern hatten ihr Kind in der Babyschale gelassen und ihm eine Flasche auf den Bauch gelegt. Körperkontakt ist ja auch böse, oder? An dem anderen Tisch beschimpfte und beleidigte der Vater seinen Sohn. Wir haben nur unsere Kleine angeseufzt, wie gut sie es doch hat. Währenddessen hat sie Chicken Nuggets und Pommes in ihre Süß-Sauer-Soße gedippt und gemütlich und mit einem Lächeln auf dem Gesicht gegessen.

Beim Essen haben meine Frau und ich die Erlebnisse des Wochenendes Revue passieren lassen. Meine Frau meinte ob des besagten Kulturschocks wäre sie am liebsten wieder in Pracht. Nur war da sicher keiner mehr, merkte ich an. Wir unterhielten uns noch angeregt über unsere Erlebnisse. Ich bin sicher, zumindest die Familie, wo der Vater seinen Sohn angemotzt hat, hat ziemlich gut mithören können, als wir davon geschwärmt haben, wie herrlich entspannt es dort war.

Nach dem Essen wieder weiter. Ich wollte nur noch schnell nach Hause. Ich habe unserem Auto die Sporen gegeben, Autobahn war hinreichend frei, die Kleine hat wieder geschlafen und ab dafür. Auf der A29 war es dann so leer, daß ich voll draufgetreten habe. Zu Hause angekommen wollte die Kleine aus dem Sitz raus und ist dann in Begleitung unserer großmütterlichen Nachbarin und etwas mir noch etwas über das Grundstück gelatscht. Meine Frau hat derweil das Auto soweit ausgeladen. Es war dann halb 6, als wir drinnen auf dem Sofa saßen, ich meine Jeanshose gegen eine bequeme Jogginghose getauscht und meine Frau auch so etwas Ähnliches getan hatte.

Fazit:

Mit dem Auto sind wir gut durchgekommen, immerhin fast 400 km pro Richtung und inklusive Auspacken in je 5 Stunden. Aber das war die letzten paar zig Kilometer ein echtes Gejuckel. Besser etwas zentraler in Deutschland. So rund um Kassel bietet sich an. Und ich mußte heute schon wieder tanken. Noch vor Oldenburg hat sich diese Stimme, derentwegen das Auto „Ralf“ heißt gemeldet: „Bitte bald tanken“ Also einen ganzen Tank voll Benzin verbraten und weitere 210 € für Seminare und Unterkunft gelassen.

Hat es sich gelohnt? Klares Ja. Ich habe viel mitgenommen und gelernt und meine Frau offenbar auch.

Und auf jeden Fall wollen wir auch auf zukünftige solche Treffen. Nächstes Jahr ist wieder eines und das dann mit Jubiläum. Da werden vielleicht noch viel mehr Leute kommen als dieses Mal. Ich bin sehr gespannt.

In diesem Sinne: bis demnächst!

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Eine Antwort zu Mit auf dem StiLLL-Kongreß

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